Folge 18

#Lücken #Rythmus #Kontrast


Leerzeichen sind dienstbare Geister. Man könnte meinen, dass sie für sich keine Bedeutung haben. Aber es geht nicht ohne sie. Ein geschriebener Text nur aus Leerezeichen ergibt tatsächlich ein Nichts, ein leeres Blatt, ein gesprochener Text aus Leerzeichen ist sinnfreies Schweigen. Eingeschriebenertextohneleerzeichenistnurganzschwerzulesen, beim gesprochenen geht das schon eher, aber lange kann man da auch nicht zuhören.
In der Musik ist es vielleicht noch eindrucksvoller: Wir haben die Noten, die einzeln dort stehen, aber der Klang verbindet die eine mit der anderen über die Pausen hinweg zum gesamten Musikstück.
Mein Leben ist wie ein Musikstück, es hat langsame und schnelle Stellen, lustige oder schwere Melodien, aber eben auch immer wieder Pausen, einfach zwischen den Noten oder bewusst als Zeichen gesetzt. Wenn in der Musik mal wirklich nichts zu hören ist, wird das, was danach kommt, umso mehr aufgewertet. Aber erst das ganze, das gesamte Werk von der ersten bis zur letzten Note mit allen Pausen drin ergibt den Klang und den Charakter des Stückes.
Ich glaube nicht, dass ich wie der beschriebene Freund wirklich 14 Tage in ein Kloster zum Schweigen gehen könnte – dieses Leerzeichen, diese musikalische Pause wäre mir zu lang. Aber ich weiß, dass ich ohne Leerzeichen in Stress komme, in den ‚roten Bereich‘. Um meinen ‚grünen Bereich‘ zu füttern, habe ich eine kleine Übung. Sie füllt sozusagen das Leerzeichen mit einer guten Struktur und gibt ihm noch mehr Sinn. Sie heißt IDA-Übung.

I steht für Innehalten, D steht für Durchatmen, A steht für Anker spüren.Das kann ein kurzer Moment zwischen zwei Terminen sein oder ein ebenso kurzer Moment, bevor ich irgendwo anklopfe und eintrete. Das kann aber auch eine Auszeit von mehreren Tagen sein.

1. Schritt: Innehalten.
Mindestens 60 % unseres Alltags erledigen wir mit dem ‚Auto-Piloten.‘ Und das ist im Prinzip auch gut so, weil sonst unser Hirn komplett überfordert wäre. Aber manchmal fühlt es sich eben an wie Hamsterrad oder fremdbestimmt. Und genau da hinein zielt jetzt das Innehalten: Einfach mal stoppen und wahrnehmen: Bin das wirklich ich? Was tue ich gerade, wo bin ich gerade, was spürst Du gerade?

2. Schritt: Durchatmen.
Wenn du im 1. Schritt wahrgenommen hast, was ist, nimm jetzt deinen Atem wahr. Damit durchbrichst du vollends dein automatisches Reiz-Reaktions-Schema: Atme einfach tief ein und aus. Spüre einfach nur deinen Atem. Du lebst. Du bist. Energie fließt in Dich hinein.

3. Schritt: Anker finden.
Suche dir einen Punkt, an dem Du gut mit Dir selbst in Verbindung bist. Dieser Punkt kann innerhalb deines Körpers sein, z. B. das Brustbein, ein Punkt an der Wirbelsäule , der Bauchnabel oder dein pulsierendes Herz oder außerhalb wie z. B. eine Blume in deinem Blickfeld. An diesem Anker bist du bei Dir, von dort aus kannst du aus agieren, dort bist Du in deinem ‚grünen Bereich‘. Von dort aus widmest du dich Aufgaben, Problemen und den Herausforderungen deines Lebens, aber du ‚bist‘ nicht das Problem oder die Herausforderung.

Nach dem 3. Schritt kannst du dich dann wieder deinem Alltag zuwenden, bis du selbst mal wieder das Bedürfnis nach ‚IDA‘ hast: Innehalten – Durchatmen – Anker spüren.